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Gesichter des Krieges: Der Wandel bewaffneter Konflikte von 1900 bis heuteQuelle: AmazonISBN: 3886808955 22,95 EUR
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Features
Beschreibung
Kunden Meinungen
Erfrischend zu lesen
Datum:22.04.2010 - Rating: 5/5Crefeld ist ein eiskalter Denker, er untersucht das Weses des Krieges, genauso wie Schopenhauer dereinst das Wesen der Menschen:
er sammelt Fakten, er analysiert und präsentiert uns das Ergebnis, ohne Wunschvorstellungen oder ideologische Projektionen drauf zu betten.
Ein klarer Geist, wie man ihn sich öfter wünscht.
Apropos Machiavelli, der hat seinerzeit ähnlich gedacht, er ist nur aus ideologischen Gründen später verteufelt worden.
Unaufgeregtes Schreiben ist eine große Kunst.
Spannend und lehrreich
Datum:17.02.2010 - Rating: 5/5Diese Buch ist sicherlich das intelligenteste und interessanteste, das ich je zu diesem Thema gelesen habe. Ohne den Schaum vor dem Mund, den Gutmenschen hierzulande haben müssen und auch bei anderen erwarten, beschreibt van Creveld geradezu gnadenlos sachlich die Entwicklung der Militärtechnik und Kriegführung im 20. Jahrhundert bis zu den "asymmetrischen Kriegen" heute, und kommt zu Schlußfolgerungen, die man sonst in Deutschland selten zu hören bekommt.
Klar und unideologisch! Super Buch!
Datum:30.12.2009 - Rating: 5/5Egal ob man noch nie was zum Thema gelesen hat (dann lernt man es gleich richtig) oder schon häufig (dann ordnet sich der Infowust), wird man aus diesem Buch großen Gewinn ziehen.
Martin van Creveld nimmt auf niemanden und nichts Rücksicht und kann deshalb wunderbar zeigen, was wirklich zählt und was nur Blendwerk ist. Ist ein Krieg uninnovativ, unwichtig und aussagelos, dann wird van Creveld ihn auch so bezeichnen, egal wer daran beteiligt war, wieviele Leute dabei starben und ob wir mit den Siegern befreundet sind.
Der Blick ist dabei von der Zielsetzung her rein militärisch. Ein Diktator kann dieses Buch genauso mit Gewinn lesen wie ein Basisdemokrat.
Der Autor ist dabei mitnichten herzlos. Denn wenn es um das rasche Gewinnen eines Krieges geht, ist auch immer eine Senkung der Opferzahlen mit dabei. Letztendlich tötet nichts so viele Menschen wie verschleppte Kriege oder aus dem Ruder gelaufene Aufstände.
Am Ende wendet sich der Autor noch einem brandheissen Thema zu: wie gewinnt man einen Krieg gegen Aufständische. Überraschende Antwort: genau wie man Kinder erzieht. Egal ob sanft oder hart: Konsequenz ist das Zauberwort. In diesem Fall: entweder ganz rechtsstaatlich, ordentlich und mit hohen Verlusten an Polizei und Soldaten. Oder knallhart, schockartig, ohne Entschuldigung, mit möglichst vielen Toten. Klingt böse? Ist es aber nur, wenn die Alternative ein Frieden wäre. Wo aber Aufständische unterwegs sind, kündigt sich oft ein grässlicher Bürgerkrieg an.
Ein tolles Buch, unbedingte Leseempfehlung, vor allem, wenn Sie meinen, den Thesen nicht zustimmen zu können.
Brilliante Darstellung mit kontroversem Ende
Datum:19.11.2009 - Rating: 4/5Inhaltlich lässt sich das knapp 325-seitige Buch in zwei Teile unterteilen. In Kapitel 1 bis 4 wird die Zeit vor dem ersten Weltkrieg bis zum Ende des ersten Weltkriegs beschrieben. In Kapitel 5 bis 7 die Zeit der "Bombe", des kalten Krieges und der aktuellen Konflikte.
Mustergültig beschreibt der Autor dabei die vor allem technisch bedingten Neuerungen im Kriegswesen, insbesondere die Folgen von Verbrennungsmotor und Flugzeug. Es wird schlüssig dargelegt, warum die Konflikte der Zwischenkriegszeit keine praktischen Rückschlüsse auf den zweiten Weltkrieg zuliessen. Die Darstellung zum Zweiten Weltkrieg erfasst so ziemlich jeden Aspekt des "Totalen Krieges". Dabei kommt Creveld zum Schluss, dass die Gemeinsamkeiten zwischen den beiden Weltkriegen, trotz aller technischen und operativen Neuerungen, größer als die Unterschiede sind.
Es folgt mit der "größten Zensur der Militärgeschichte" die praktischen (Rüstungswettlauf) und theoretischen (unterschiedliche Doktrin) Folgen der Atmombombe. Auch die konventionellen Konflikte dieser Zeit werden beschrieben, gleichwohl erneut mit der Folgerung, dass aus ihnen keine wirklichen Rückschlüsse auf Konflikte der Größenordnung des zweiten Weltkriegs gezogen werden können. Das Buch schliesst mit einer Schilderung des (aus Sicht des Autors) Fehlschlags der neueren Militärreformen wie der RMA sowie dem Scheitern von 50 Jahren Aufstandsbekämpfung durch Besatzungsmächten.
Gleich vorweg: Das Buch stellt eine außerordentlich gelungene Zusammenfassung der Kriegsgeschichte des letzten Jahrhunderts dar. Van Crevelds Schlussfolgerungen sind allesamt nachvollziehbar und schlüssig, seine Darstellung wird durch seine offenkundige Erfahrung bereichert und gestützt. Eine weitere Stärke ist der Stil. Im Nachwort wurde dem Autor geraten, "es einfach zu sagen", frei von theoretischen Verklausulierungen. Dies hat er getan und Resultat ist eine Prägnanz, die seinesgleichen sucht und der auch die relative Kürze des Buches geschuldet ist.
Beide Aspekte, Erfahrung und Stil, haben jedoch auch Nachteile. Wenn der Autor über die "think tanks" geradezu abfällig herzieht, dann kann man sich beinahe bildlich ausmalen, wie oft van Creveld schon mit einem der "Eierköpfe" aus eben solchen aneinander geraten sein muss.
Auch lässt das Schreiben frei von der Leber weg bei ihm bisweilen die Gäule durchgehen. So wird seine (aufs Militär bezogene) latente Frauenfeindlichkeit sichtbar, wenn sinngemäß Sätze fallen wie: "Nun lernte auch der Feminismus, das Krieg führen kein Spaß ist". Gleiches gilt, wenn er den spanischen Conquistadores moralisch aber auch historisch fragwürdig einen "Abenteuergeist" und Wagemut attestiert.
Der letzte Teil des Buches besitzt geradezu die größte Sprengkraft. Wenn man dem Autoren folgt hat sich ein Paradigmenwechsel zwischen der Neuzeit und zweiter Weltkrieg ereignet. Im zweiten Weltkrieg zeigte sich, dass bei Aufeinandertreffen von Gleichwertigen nicht Moral sondern Quantität und Qualität der eingesetzten Waffensysteme entscheidend ist. Heutige Konflikte seien geprägt vom Gegensatz des Stärkeren gegen den Schwächeren. Vor allem die der Aufstandsbekämpfung sind gemäß van Creveld keine Fragen von Politik und Technik, sondern der Konsequenz und Moral. Entweder ich bombardiere das Dorf und stehe dazu ODER ich baue von Anfang an nur Brunnen. Beides geht nicht.
Die von Creveld vorgeschlagenen Methoden wurden schon vom Rezensenten Serenus Zeitblom zusammengefasst, sie seien daher hier nicht wiederholt. Ohne Kassandra zu sein kann man jetzt schon festhalten, dass damit viel Schindluder getrieben werden wird, denn sowohl beide Methoden liefern "Argumente" für unterschiedlichste Auslegung von Einsätzen. Dies hat aber auch Creveld zu verschulden, denn gerade hier verlässt ihn die Deutlichkeit seines Stils. Nirgendwo schreibt er konkret, dass das dauernde Abschlachten von Frauen, Kindern, Kranken und Schwachen bei jedem halbwegs ethisch gefestigten Menschen zu mentalen Erosionsprozessen führt. Mit bekannten militärischen Disziplinproblemen als Folge. Van Creveld behilft sich mit Gleichnissen wie "in den Spiegel schauen". Auch ist seine Ausblendung von politischen, sozialen und rechtlichen Rahmenbedingungen, wie etwa der dem Militär übergeordneten Staatsstruktur, fragwürdig (stellt aber möglicherweise die Folge seiner bekannten theoretischen Ausrichtung dar). Für den Theoretiker freilich mag es keinen Unterschied für die Effektivität der beiden Methoden machen, ob sie von den Streitkräften einer Diktatur oder einer Demokratie vollzogen werden. Für die praktische Durchführung ist sie das allemal. Kaum vorstellbar, dass die Briten an Belfast die "Assad-Methode" hätten vollziehen können. Das alles macht van Crevelds Ausführungen nicht notgedrungen falsch, doch sind diese "Friktionen" doch von solcher Bedeutung, dass sie einer Erwähnung wert gewesen wären. Auch stellt sich " mal wieder " die Gretchenfrage, ob solche Betrachtungen von den damit verbundenen, ethischen Implikationen zu trennen sind. In jedem Fall darf man gespannt sein ob - und wenn ja welche - Auswirkungen van Crevelds Einwende für die Militärpraxis haben werden.
Warum die US-Truppen in Irak und Afghanistan ein Problem haben ...
Datum:19.10.2009 - Rating: 5/5... das erklärt Martin van Creveld in seinem ursprünglich 2006, also in der Ära Bush II, erschienenen Buch gleich mit.
Kurzfassung: Lesenswertes, trocken und offen geschriebenes Werk über Krieg im 20. Jahrhundert - aus dem man Lehren ziehen könnte, wenn man denn wollte.
Der niederländisch-israelische Militärwissenschaftler seziert die Art der Kriegführung im 20. Jahrhundert. Betont trocken stellt er fest, welche Lehren für das Militär hätten gezogen werden können - und welche tatsächlich gezogen wurden.
Er verfällt weder in die Glorifizierung seines Forschungsgegenstands (er listet die Gräuel wie die Totenzahlen gewissenhaft auf), noch lässt er sich auf lange engagierte Anti-Kriegs-Auslassungen ein (wer so etwas sucht, mag sich bei anderen Autoren umsehen, würde eigentlich allerdings auch hier Material genug finden). Van Creveld beschreibt, analysiert und bewertet in knappem Ton. Abbildungen/Karten gibt es übrigens keine.
Das Buch beginnt konzentriert mit einer sehr gut eingedampften Darstellung des großen Tötens bis zum Zweiten Weltkrieg. Es ist eine Synthese des allgemein Bekannten mit einigen forschen (aber nachvollziehbaren) Thesen: welche militärischen Fehler wohl zur Nicht-Einnahme Paris' im Ersten Weltkrieg führten, wie u.a. der pseudodemokratische Führungsstil der Wehrmacht deren klare sonstige Unterlegenheit lange kompensierte, ...
Zur zweiten Hälfte des Jahrhunderts hat es van Creveld schwerer. Er selbst weist darauf hin, dass nach der Atombombe nur noch Kleine gegen Kleine kämpfen bzw. ein Großer einen Kleinen attackiert - das ist nicht mehr so spektakulär und diffundiert auf dem Globus. Und doch arbeitet der Forscher einiges auch hier heraus. Selbst wenn etwa Nazi-Deutschland den Krieg gewonnen hätte, hätten wohl die paar Deutschen nicht den Kontinent militärisch gegen einen Guerillawiderstand halten können - Creveld deutet an, dass es bei den Palästinensern, Irakis, Afghanen etc. ähnlich sein könnte.
Funktioniert haben laut van Creveld nur zwei Ansätze (S. 277-297):
a) die betont humane, selbstdisziplinierte, informierte und (zumindest fast immer) rechtsstaatliche Behandlung der nordirischen IRA - durch die Blume empfiehlt van Creveld dies als eine Alternative zum brutalen Vorgehen der israelischen Armee bei der 1. Intifada;
b) die plötzliche, demonstrativ skrupellose, schockierende und einmalige Niederknüpplung der islamischen Integristen in Syrien, dessen Armee ebendiese Selbstdisziplin überhaupt nicht gehabt hätte. Da ist van Creveld bekennender Neo-Macchiavellianer. In beiden Fällen sei Konsequenz zentral.
Abschließend zeigt van Creveld sarkastisch-genüßlich die US-Fehler im Irak auf.
Viereinhalb bis fünf Sterne.
